Grafik: Ernst-Otto Pieper, 25712 Burg in Dithmarschen

Wildhüter St. Hubertus e.V.

Weiterbildungsvorhaben 1/2004

Von Ernst-Otto Pieper

Unsere Weiterbildung 1/2004 mit dem Thema „Trockenlebensräume in Nordosthessen“ führte uns in den Bereich des nordhessischen Berglandes – den nördlichen Ausläufern des Richelsdorfer Gebirges.

In der unmittelbaren Umgebung von Sontra steht auf engstem Raum eine kontinuierliche Folge sehr alter Schichten (Rotliegendes ca. 260 Mill. Jahre bis Unterer Keuper ca. 210 Mill. Jahre) zu tage. Jüngere Schichten (Tertiär und Quartär) treten örtlich auf. In der Eiszeit erfolgte die Ausformung des Geländes in Täler und Höhen, während der Kaltzeiten die Überlagerung mit Löß, der an den Nordost-Hängen oft erhalten ist.
Fast während der gesamten Zeit fanden tektonische Bewegungen statt. Während und nach diesen Senkungen und Hebungen fanden dort, wo Salze abgelagert waren, durch Eindringen von Grundwasser entlang den Spalten und Klüften Auslaugungsvorgänge statt. Es entstanden Hohlräume, über denen das Gebirge einstürzte, es bildeten sich Erdfälle (Dolinen) und größere Auslaugungssenken – Vorgänge, die bis heute andauern.

Trockenlebensräume , deren prägendes Element der niedrige Wassergehalt des Bodens ist, haben sich in großer Zahl und Vielfalt gebildet.
Unser Leiter der Geschäftsstelle, Herr Waldemar Becker, hatte alles bestens vorbereitet.
Das Hotel Johanneshof in Nentershausen-Weißenhasel war eine hervorragende Wahl und wird wohl auch zukünftig, wegen seiner besonderen Qualität und zentralen Lage, Ausgangspunkt für Weiterbildungsmaßnahmen sein.

Am Samstag hielt der Verfasser einen Diavortrag über „Heimische Orchideen“ vor sehr aufmerksamen Zuhörern.
Beim anschließenden gemütlichen Beisammensein gab es noch reichlich Gesprächsstoff.

Pünktlich um 0900 Uhr war dann am Sonntag Aufbruch zur Exkursion.
Der Wettergott meinte es gut mit den Exkursionsteilnehmern – es blieb den ganzen Tag trocken und auch die Temperaturen waren sehr angenehm.
Die Exkursion begann an einem Südhang aus wohlgeschichtetem Muschelkalk, der mit einem Kiefernwald bestockt ist, mit teilweise dichten Innenteilen aus undurchdringlichen Büschen, in direkter Nachbarschaft zu lichten Stellen.
Bei den nächsten Exkursionspunkten handelte es sich um Trockenrasen auf Zechsteinkalk. Diese zumeist gehölzarmen oder gehölzfreien Krautflächen mit teilweise vegetationsfreien Stellen zeigen aufgrund ihres extremen Kleinklimas (Licht, Wärme, Trockenheit sowie Wind und Kälte) eine ganz „besondere“ Pflanzenwelt.
Auf der nächsten Station wurde deutlich, wie rasch durch Menschenhand eine Verbuschung von Trockenrasen stattfinden kann, wenn ortsfremde Pflanzen (Schwarzer Holunder, Sanddorn, Hasel, Roßkastanie, Waldrebe usw.) angesiedelt werden.
Das Gelände auf der vorletzten Station steht normalerweise im Buntsandstein. Doch wurde aufgrund von Bergbau (Kupferschiefer), der hier über viele Jahrhunderte betrieben wurde, das Liegende als Abraum (Zechsteinkalk) zu tage gebracht. Starke Entwässerung für den Bergbau sorgten schließlich für eine besondere Art Trockenlebensraum.
Infolge Aufforstung sind inzwischen die sonnliebenden von den schattenliebenden Pflanzen verdrängt worden (Gelbes Buschwindröschen, Türkenbundlilie, Seidelbast und verschiedene Orchideenarten).
Nun ging es zum Mittagessen erst einmal wieder zurück zum Hotel.
Nach dem Essen wurde die letzte Station angefahren. Hier handelte es sich um einen extrem steilen Muschelkalk-Hang (Schollenbruchkante) mit sehr starker Entwässerung – Lebensraum für eine sehr artenarme und seltene Pflanzenwelt.

Den Teilnehmern wurde vom Verfasser eine Teilnahmebescheinigung ausgehändigt und gegen 1500 Uhr traten alle die Heimreise an.

Unser Dank gilt dem Kommandeur vom Panzeraufklärungsbataillon 5, Sontra, Herrn Oberstleutnant Jünemann, für die Unterstützung unserer Weiterbildungsmaßnahme.

Foto: Waldemar Becker, Kaufungen

Steile Muschelkalk-Südhänge sind zumeist extreme Trockenlebensräume