Sie sind auf der Bundesautobahn 2 in Richtung Hannover oder Dortmund unterwegs? Dann machen Sie doch mal in Bad Nenndorf eine kleine Unterbrechung.

Die rund 10.000 Einwohner zählende Stadt im Osten des Landkreises Schaumburg, am nordwestlichen Rand des Deister und 15 Kilometer südlich des Steinhuder Meeres, zwischen Weser und Leine, am Übergang des Mittelgebirges zur Norddeutschen Tiefebene, birgt so manche Sehenswürdigkeit. Schon seit über 200 Jahren erzielt das Staatsbad Nenndorf mit den natürlichen Heilmitteln Moor, Sole und Schwefel beachtliche Heilerfolge, die damals wie heute weit über die Grenzen hinaus bekannt sind.

Das kleine Städtchen bietet seinen Einwohnern aber auch seinen Gästen im  Stadtzentrum eine Oase der Ruhe: den 34 ha großen sehenswerten Bad Nenndorfer Kurpark mit einem über 200 Jahre alten Bestand an ausländischen und heimischen Baumarten. Einmalig in Deutschland ist eine kleine Allee aus knapp 100 seltenen Süntelbuchen am westlichen Rand des Kurparks.

Der Kasseler Hofgärtner Georg Wilhelm Homburg wurde vom Landgraf Wilhelm IX mit der Anlage des Kurparks beauftragt. Bevor er aber 1792 damit begann, wurde er vom Landgrafen für zwei Jahre nach England geschickt, um dort die „englische Methode“ der Parkgestaltung kennenzulernen. Nach Rückkehr aus England legte er in zweijähriger Arbeit den Grundstock für den heutigen Kurpark nach Vorbild eines englischen Landschaftsgartens.

Anfang des 20. Jahrhunderts zog der Bad Nenndorfer Gartenbaumeister Carl Thon (1867 – 1955) aus von Süntelbuchen stammenden Bucheckern ca. 30 Tochterpflanzen und schuf mit ihnen 1930 eine kleine rechtwinklige Süntelbuchen-Allee. Durch Absenkerbildungen und Wurzelbrut sowie durch Nachpflanzungen entstand daraus eine Baumreihe mit rund 100 Stämmen. In den letzten 15 Jahren sind noch einmal über 20 junge Süntelbuchen, im Kurpark verteilt, gepflanzt worden. Damit besitzt Bad Nenndorf heute den größten Bestand an älteren Süntelbuchen in Deutschland.

Süntelbuchen sind eine seltene Varietät der in Deutschland weit verbreiteten Rotbuche (Fagus sylvatica). Der Name weist auf die Heimat dieser seltsam anmutenden Wuchsform der Buche hin, nämlich den Süntel.

Drehwuchs, Krüppelwuchs, Schlaufenbildung und die sogenannten Hexenbesen geben den Süntelbuchen nicht nur ihr ungewöhnliches, für viele Menschen auch unheimliches Erscheinungsbild. Sie brachten dem Baum auch die entsprechenden Namen ein: Krüppelbuche, Hexen- oder Teufelsholz, Schlangenbuche, Krause Buche, Schirmbuche, Renkbuche und noch viele andere. Wie die Namen schon zeigen, waren die Menschen vor Jahrhunderten wenig begeistert von der Schönheit oder Skurrilität dieser Bäume. Selbst wenn sie die „Süntelbeuken“, wie sie auf Plattdeutsch genannt werden, nicht unheimlich und bedrohlich fanden, waren die Waldbesitzer keine Freunde des „Deuwelholts“ (Teufelsholz). Es ließ sich wegen des Zick-Zack-Wuchses nicht verwerten. Nicht einmal als Brennholz konnte es in Meterstücke gestapelt werden; denn die Süntelbuche wächst so gut wie nie einen ganzen Meter gerade in eine Richtung.

Die Bäume wachsen mehr in die Breite als in die Höhe. Dabei erreichen sie nur selten eine Höhe von mehr als 15 Meter. Mit ihren herabhängenden Zweigen bilden die Süntelbuchen zeltähnliche, halbkugel- oder pilzförmige Kronen aus. Über die erbliche Wuchsform, die Herkunft und die Vermehrung der Süntelbuche haben sich schon viele Generationen von Wissenschaftlern, Hobbyzüchtern und Naturfreunden Gedanken gemacht. Die Bäume haben aber bis zum heutigen Tag ihr Geheimnis bewahrt.

Ernst-Otto Pieper

Grafik: Ernst-Otto Pieper, 25712 Burg in Dithmarschen

Wildhüter St. Hubertus e.V.

Eine Allee der besonderen Art

Foto: Ernst-Otto Pieper, 25712 Burg in Dithmarschen
Foto: Ernst-Otto Pieper, 25712 Burg in Dithmarschen