Grafik: Ernst-Otto Pieper, 25712 Burg in Dithmarschen

Wildhüter St. Hubertus e.V.

Weiterbildung 4/2015 vom 8. bis 10. Mai

Über Deutschlands teuerste Autobahn zu Frau Holle

Von Ernst-Otto Pieper

Es war wieder eine sehr informative Weiterbildung. Noch am Vormittag des 08. Mai begann die Ausbildung mit einem Besuch beim „Messerhersteller“ Hans Hofmann in Quendel. Die Fülle des Materials verschlug uns zunächst die Sprache. Die Vielfalt und Qualität ist nicht zu toppen - alles vom Feinsten. Da schlägt das Herz eines jeden „Messerfreundes“ deutlich schneller. Leider stehen wir etwas unter Zeitdruck, denn auf dem Autohof Hessisch-Lichtenau warten bereits Herr Dipl. Ing. Berleburg und Frau Bachmann von der Hessischen Straßen- und Bauverwaltung. Bis zum späten Nachmittag erhalten wir eine Einweisung in das Bauvorhaben „A 44“, ein Projekt, das bereits 1934 als Autobahn Hamm – Kassel – Eisenach geplant war. Nachdem es viele Jahre nicht mehr in der aktuellen Fünfjahresplanung des Bundes enthalten war, wurde 1991, auf Beschluss der Bundesregierung, die A 44 ein Verkehrsprojekt Deutsche Einheit. Nach jahrelanger Planung dann am 12. Mai 2000 endlich der 1. Spatenstich für die Umfahrung Hessisch-Lichtenau. Im Jahr 2018 soll die A 44 dann fertig sein – es wird aber wohl einige Jahre länger dauern.
Auf einer Gesamtlänge von 63,5 km wird es 13 Tunnelbauwerke (Gesamtlänge ca. 14,1 km) und 15 Großbrücken geben. Hinzu kommen noch einige Tunnelverlängerungen sowie Überflughilfen und Querungshilfen für verschiedene Fledermausarten und andere Tierarten. Grünbrücken, wie wir sie in Schermbeck gesehen haben, wird es nicht geben – für das Wild, insbesondere das Schalenwild, wird es genügend Querungsmöglichkeiten unterhalb der Brücken geben. Spezielle Schutzzäune sollen verhindern, dass die Wildkatze auf die Autobahn gelangen kann. Rund 1,8 Mrd. Euro sind als Gesamtkosten eingeplant.
Ein Besuch im Informationszentrum A 44 in Walburg und mehrere Ortsbesichtigungen runden die Einweisung ab. Beindruckt von dem was wir gehört und gesehen haben, machen wir uns auf den Weg nach Nentershausen-Weißenhasel, unserem Quartier für die nächsten zwei Tage.

Am nächsten Morgen sind wir um 09:30 Uhr auf einem Parkplatz westlich Frankershausen, am Fuße des Meißners. Naturparkführerin Frau Hanna Wallbraun führt uns durch das Naturschutzgebiet Kripp- und Hielöcher. Wir durchwandern eine Karstlandschaft, über den uralten Boden des Zechsteinmeeres. Wacholder, Gips- und Dolomitfelsen, Dolinen, Dachs- und Fuchsbaue – drei Jungfüchse lassen sich auch noch kurze Zeit blicken -, seltene Kleintiere, artenreiche Magerrasen mit zahlreichen pflanzlichen Raritäten sind beeindruckend. Zugegeben, die meisten Raritäten hätten wir wohl übersehen, wenn nicht Frau Wallbraun uns in gekonnter Weise darauf aufmerksam gemacht hätte, oft angereichert mit einer Geschichte aus der Märchen- oder Sagenwelt. Besonders beeindruckend ist die Vielzahl der Orchideen von denen wir sieben Arten entdecken können. Mit unserer ortskundigen Naturparkführerin lernen wir auch die „Kripplöcher“ kennen, die sonst wegen der Einsturzgefahr nicht betreten werden dürfen. Nach einer Stärkung in der Jausenstation Weißenbach setzen wir die Fahrt fort und erreichen nach wenigen Kilometern den Friedrichstollen. Frau Wallbraun berichtet ausführlich über den Braunkohlenabbau der vergangenen Jahrhunderte. Der Stollen steht als technisches Kulturdenkmal unter Denkmalschutz und dient heute der Trinkwasserversorgung des Meißner-Vorlandes.
Wir setzen die Fahrt fort und erreichen in 650 m Höhe den Frau-Holle-Teich, fast auf der Bergkuppe des Hohen Meißners. Es ist ein kleines, natürliches und vor allem sagenumwobenes Stillgewässer, fast unscheinbar unterhalb eines Geröllhanges in romantischer Lage. Der Teich wird unterirdisch durch eine 9 Grad kalte Quelle gespeist. Um die Verlandung des Sees zu verhindern, wird heute zusätzlich der Hollenbach eingeleitet. Wir erfahren von unserer Führerin einiges über Sagen und Mythen die über Frau Holle erzählt werden, aber auch, dass am Gewässerrand römische Münzen und Feuersteingerätschaften gefunden wurden, ein Zeichen dafür, dass dieser Ort bereits seit der Steinzeit eine Kultstätte ist. Das mit einer etwa 3 m hohen, hölzernen Frau-Holle-Statue „geschmückte“ Gewässer dient zahlreichen Kröten und Fröschen sowie verschiedenen Molcharten als Laichgewässer. Hier zählen der Nördliche Kammmolch und die Geburtshelferkröte zu den besonderen Raritäten.
Vom Parkplatz Schwalbenthal aus genießen wir den herrlichen Blick über das östliche Meißner-Vorland.
Nach einer kleinen Kaffeepause im Meißnerhaus folgt eine Exkursion auf der Hausener Hute, wo wir zahlreiche Pflanzenraritäten entdecken. Ein Besuch des Gedenksteins Freideutscher Jugendtag 1913 rundet unsere hoch interessanten Wanderungen ab.
An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Frau Wallbraun, die uns in gekonnter Weise und mit viel Herzblut an diesem herrlichen Sommertag geführt hat. Am Abend ist im Johanneshof noch genügend Zeit für Unterhaltung.

Für den Sonntagvormittag stehen Geologie und Pflanzenkunde auf dem Plan. Im einzigartigen Sandsteinbruch unweit des Klosters Cornberg stehen die ältesten Schichten des Zechsteins an. Der Verfasser gibt einen kleinen Überblick über die einzelnen Schichtungen des Zechsteins und berichtet etwas ausführlicher über den Kupferschiefer und den mit ihm verbundenen Bergbau.
Die folgende Exkursion führt uns, westlich von Sontra, in die Schichten des Muschelkalks. Dieser Ort ist berühmt für seine überaus reichlichen Orchideenvorkommen. Bedauerlicherweise ist das einst große Vorkommen von Frauenschuh durch Entfernung des Schutzzaunes und Waldverjüngung fast verschwunden. Von den einst hunderten von Pflanzen konnten wir gerade noch zwei finden. Fliegenragwurz, Grünliche Waldhyanzinthe und das Große Zweiblatt waren aber noch zahlreich in Blüte oder kurz davor – für Stendelwurzarten und das Gefleckte Knabenkraut waren wir zu früh – sie brauchen noch 2 oder 3 Wochen bis zur Blüte.

Gegen Mittag wurde die Heimreise angetreten.

Vielen Dank an Waldemar Becker, der die Weiterbildung bestens organisiert hatte.

Foto: Ernst-Otto Pieper, 25712 Burg in Dithmarschen
Foto: Ernst-Otto Pieper, 25712 Burg in Dithmarschen

Messer vom Feinsten bei Hans Hofmann

Foto: Bachmann

A44-Tunnel Küchen (im Hintergrund) und Querungshilfe (im Vordergrund)
Foto: Bachmann

Foto: Ernst-Otto Pieper, 25712 Burg in Dithmarschen

Naturschutzgebiet Kripp- und Hielöcher. Wir durchwandern eine Karstlandschaft, über den uralten Boden des Zechsteinmeeres

Naturschutzgebiet Kripp- und Hielöcher. Wir durchwandern eine Karstlandschaft, über den uralten Boden des Zechsteinmeeres

Frau-Holle-Teich, fast auf der Bergkuppe des Hohen Meißners